4. texte

Lesung in Pforzheim vom 17. November 2007

im Kulturhaus Osterfeld (grosser Saal) anlässlich des 60.Geburtstags von Rainer Bartels.
Kurzer Ausschnitt auf Video
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Lesung am 26. September 2007 im Theater Stadelhofen Zürich

stadel

EPITHEL GEWEBE

auf
GESCHLAGEN wie
ein EI am
anderen
ruft ihr
SCHEIN
HEILIG
eure HEILIGEN an; die
ihrerseits scheinheilig
nichts als ihre
HEILIGEN
angerufen haben

Japan revisited

Neu auf der Website des Goethe-Institus Tokio:
Die Resultate der Schreibwerkstatt im Dezember 2006 mit Heisl/Kauz in Tokio. Schön wars!

Das Paket

Erzählung aus Wohin ich schon immer einmal wollte, Eisenbahngeschichten, mp3-file

Das-Paket-1 (mp3, 4,076 KB)

WO IST WÖRNDLE?

MIT IHM war etwas geschehen. Jeder wußte das. Zugestoßen ist ihm etwas. Keiner aber war in der Lage zu sagen, was geschehen war und was ihm also zugestoßen sein könnte. Nur, zugestoßen war ihm etwas. Darüber war man sich einig. Vom Wörndle ist die Rede. Dem Streckenmeister Max Wörndle. Etwas muß dem Wörndle zugestoßen sein, sagt man. Ja... Jeder, sagt das. Jeder, mit dem man über den Wörndle redet, ist davon überzeugt. Dem Wörndle ist etwas zugestoßen, sagt derjenige oder sagt diejenige, mit der oder mit dem man über den Streckenmeister redet. Und alle reden momentan vom Streckenmeister Wörndle. Und also über den Wörndle. Dem Wörndle muß etwas zugestoßen sein. Nichts anderes. Alles andere sei doch unmöglich. Alles andere hätte sich doch längst schon aufgeklärt. Zugestoßen war ihm etwas. Jawohl... Zugestoßen muß ihm etwas sein. Im Fernsehen haben sie auch über ihn geredet. Von Wörndle war gesprochen worden. Ja... Der Fall Max Wörndle, haben sie gesagt. Der Fall Max Wörndle... Max Wörndle war zum Fall geworden. Ja... Mit ihm war etwas geschehen. Die wußten das auch. Jeder wußte das. Max Wörndle, der pensionierter Eisenbahner, ein Streckenmeister, wie bereits erwähnt. Und alleinstehend. Wörndles Alleinsein war niemals eine mutwillig heraufbeschworene Absonderung, nein... Wörndles Alleinsein war das Ergebnis der Hingabe an den Eisenbahnerberuf und also ein Aufgehen in allem was auch nur im geringsten mit der Eisenbahn in Zusammenhang stand; irgendwann hat er dann mit seinem Alleinsein gar nicht mehr aufhören können. Von Kindesbeinen an – seitdem er habe denken können, soll er jedem gesagt haben – wollte er nichts anderes als ein Eisenbahner werden. Lokomotivführer, zuerst. Am Ende jedoch war aus Wörndle nicht der Lokomotivführer Wörndle geworden, sondern der Streckenwart Wörndle und später aus dem Streckenwart Wörndle der Streckenmeister Wörndle. Mit ihm war etwas geschehen. Zugestoßen mußte ihm etwas sein; wenn auch kein Mensch in der Lage war, zu sagen, was denn dem Wörndle tatsächlich zugestoßen sein soll. Der Wörndle hat sich dem Eisenbahnerberuf und der Tätigkeit als Streckenmeister zwischen den Bahnhöfen Innsbruck und Jenbach mit Haut und Haaren, wie man sagt, verschrieben. Bis Jenbach war Max Wörndle der Streckenmeister. Ab dem Bahnhof Jenbach war dann der Kluibenschädel zuständig. Vom Bahnhof Jenbach bis zum Bahnhof Kufstein, der Streckenmeister Kluibenschädel. Wörndle war dann nicht mehr zuständig. Der Wörndle beschäftigte sich selbst in seiner Freizeit mit nichts anderem als der Eisenbahn. Einer Modelleisenbahn. In der Freizeit. Seiner Modelleisenbahn. Mit nichts anderem sonst. Ihm gehört die Modelleisenbahnanlage. Jahrelang, jahrzehntelang hat der Wörndle in der Freizeit an der Modelleisenbahnanlage gebaut. Und immer größer und immer umfangreicher ist die Modelleisenbahnanlage geworden; hin und wieder soll es schon vorgekommen sein, daß Wörndle einen seiner Modelleisenbahnzüge mehrere Tage lang nicht mehr zu Gesicht bekam. Also mehrer Tage lang war der eine oder andere Modelleisenbahnzug auf der Modelleisenbahnanlage unterwegs. Der Fall Max Wörndle, haben die im Fernsehen gesagt. Wörndle war zu einem Fall geworden. Jeder redete von ihm. Ganz plötzlich. Überall war von Wörndle die Rede. Sogar im Café in der Halle des Wiener Westbahnhofs; das Café, von dem aus man, sowie es einem gelungen ist, einen der begehrten Sitzplätze an einem der Tische vor der riesigen Glasscheibe zu ergattern, ganz Wien, also alle Wienerinnen und Wiener, beobachten kann. Dort soll der Name Wörndle oder der Name Max immer wieder gefallen sein, hört man. Wo ist der Wörndle? Wer hat den Wörndle gesehen? Wer weiß etwas vom Wörndle? Wo ist Wörndle hin, fragt man sich? Die vom Fernsehen, die Angestellten der Fernsehanstalt, fragen sich das ebenfalls: Wo ist der Wörndle? Wörndle war verschwunden. Und Wörndle blieb verschwunden. Wörndle war zum Fall geworden. Aber Wörndle war nicht deswegen zum Fall Wörndle geworden, weil die vom Fernsehen, die Fernsehanstaltsangestellten gesagt haben, daß Max Wörndle nun ein Fall wäre. Nein... Max Wörndle war zum Fall Wörndle geworden, da der Eigentümer des Hauses – durch dessen Kammern, Zimmer, Gänge, das Treppenhaus die Kellerräume usf. sich das Schienenwerk der wörndleschen Modelleisenbahn windet – dem Wörndle gekündigt hat. Vollkommen unerwartet. Sie müssen aus dem Haus, soll der Hauseigentümer, der Justizwachebeamte Stefan Frühwald, zu Wörndle gesagt haben; Stefan Frühwald war der neue Hauseigentümer, das Haus hatte Frühwald von einer kürzlich verstorbenen Tante geerbt. »Wörndle, sie müssen aus meinem Haus. Und die Modelleisenbahnanlage muß aus meinem Haus. Auch die. Zusammen mit ihnen. Aus meinem Haus. Zum Monatsersten«. Nachdem Frühwald gesagt hatte, daß Wörndle und die wöndlesche Modelleisenbahn aus Frühwalds Haus müßten, soll der Wörndle leichenblaß geworden sein, leichenblaß. Von seinen Gesichtszügen wäre zudem eine Niedergeschlagenheit abzulesen gewesen. Ein knappes »ja, Herr Frühwald«, hätte der Wörndle dem Justizwachebeamte Stefan Frühwald zur Antwort gegeben, und sich dann augenblicklich umgedreht und abgewandt haben und fort gegangen sein. »Zum Monatsersten, Wörndle«, habe der Frühwald dem Wörndle mehrmals hinterdrein gerufen. »Zum Monatsersten... zum Monatsersten...«.

Wörndle ist seitdem verschwunden. Und der Wörndle bleibt seitdem verschwunden. Und aber seitdem Wörndle verschwunden ist, meint der Frühwald, sind sämtliche Züge, Zugsgarnituren, Lokomotiven, Signale ecetera. auf der wörndleschen Modelleisenbahnanlage in ununterbrochener Bewegung. Alles Bewegliche, die beweglichen Teile der Anlage seien ständig in Bewegung, so Frühwald. Keiner der Züge, Zugsgarnituren, Lokomotiven usf. würde angehalten werden können, um aus dieser ununterbrochenen Bewegung und den Bewegungen einen Stillstand und also ein Stillstehen werden zu lassen. Der Justizwachebeamte und Hauseigentümer Stefan Frühwald soll nahe daran sein den Verstand zu verlieren, heißt es und daß seine Frau Judith ihn, den Stefan, jede Nacht mehrmals im Schlaf aufreden oder genauer gesagt, rufen höre: Zum Monatsersten... Wörndle... Zum Monatsersten...


©2006 Heinz D. Heisl

Textausschnitt aus "die paradoxien des herrn guadalcanal"

(Foto aus dem Buch)


TExt-guad

DIE ANBAHNUNG – EIN ENDE

Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die Zeit vorüber, in der man kann.
Marie von Ebner-Eschenbach

EIGENTLICH hätten wir glücklich werden können. Ja... Wir hätten glücklich werden müssen, sagten Renate und Walter Rudigier. Renate hatte Walter gefunden. Und Walter hatte Renate gefunden. Lange hatte Walter nach einer Frau wie Renate gesucht. Und genauso lange hatte Renate auf einen Mann wie Walter gewartet. Walter hatte also stets gesucht. Und Renate immer ge-wartet. Walter hatte während seiner Suche nach Renate einmal eine Monika gefunden, dann eine Elisabeth, eine Marion, eine Elfriede, nochmals eine Monika, danach Ingrid, Angelika, Sieglinde und schließlich Regina. In der Zwischenzeit wartete Renate einmal mit Egon, und wartete mit Alexander, wartete mit Clemens – auch ein Ulrich war darunter, genauso wie ein Martin, ein Herbert, ein Thomas, ein Wolfgang und ein Konrad. Mit dem Konrad war sie einige Wochen lang am Warten gewesen als sie den Walter traf. Walter probierte gerade Regina aus. Renate und Walter heirateten innerhalb Jahresfrist. Eigentlich hätten wir glücklich werden können, sagte Walter. Ja... Eigentlich schon, meinte daraufhin Renate. Aber Folgendes war geschehen: Nach-dem Walter und Renate – als Walter und Renate Rudigier – verheiratet gewesen waren, konnte Renate das Warten doch nicht sein lassen und der Walter das Suchen auch nicht. Nach dreiundzwanzig Monaten reichte Walter – oder war’s Renate gewesen? – die Scheidung ein.

Text für die Zeitschrift LIFT in Stuttgart, sogenannter 200-Wörter-Roman mit maximal 200 Wörtern. Der erste Satz heisst jedesmal: "EIGENTLICH hätten wir glücklich werden können"
Stuttgart ©2006 HEINZ D. HEISL

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